Beat Unit e.V. – Sinan Bombeiter über den ersten Verein für Musikproduzenten

„Der Beruf des Produzenten zählt zweifellos zu den spannendsten und begehrtesten Jobs in der Musikbranche. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dieser Job vor allem in den Anfangsjahren viele Hürden und Gefahren mit sich bringt.
Diesen möchte die Beat Unit entgegenwirken! Produzenten sollen wieder als das angesehen werden was sie sind: wahrhaftige, eigenständige Künstler und unverzichtbar für die Musikszene.“ – Beat Unit

Beat Unit ist seit Oktober 2019 ein eingetragener Verein für Musikproduzenten. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht Produzenten zu vernetzten und für dessen Interessen einzutreten. Wir haben den Berliner Gründer Sinan Bombeiter interviewt, um mehr über den Verein Beat Unit und seine Community zu erfahren.

Hallo Sinan, du bist vor allem in der Deutschen Hip Hop Szene als Musikproduzent und Jurymitglied von Raptags bekannt. Für alle die dich noch nicht kennen, stelle dich bitte kurz vor. Wer bist du und was machst du genau?

Hey, ich bin in erster Linie Musikproduzent für Pop und Hiphop in Berlin. Ich arbeite mit unterschiedlichsten Sängern und Rappern an Releases.

Mit meinem Teampartner Lai Raw bringen wir unter Dope est Dope als Produzentenduo unsere eigene Musik als Artist heraus.

Zusätzlich betreibe ich Community Work und arbeite an Projekten für die Beat Unit, in welchen ich Produzent/innen ein Netzwerk zum Austausch ermögliche, um die Kommunikation innerhalb der Produzent/innen Szene zu verbessern.

Mit Beat Unit hast du kürzlich den ersten eingetragenen Verein für MusikProduzent/innen gegründet. Was hat dich dazu bewegt?

Ein Verein hat etwas gemeinschaftliches, alleine die Strukturen des Vereins mit Wahlrecht & Vereinssitzungen ermöglichen den Vereinsmitgliedern den Verein mitzugestalten.

Ich hatte damals als Musikproduzent kaum ein Netzwerk. So geht es vielen Produzent/innen. Ich habe stattdessen meinen WG Mitbewohnern immer neue Beats und Skizzen vorgespielt, um ein Feedback zu bekommen. Ich denke nichts bringt dich weiter, als Resonanz auf deine Musik zu bekommen. Daran wächst man und lernt, wie deine Musik wahrgenommen wird. Vitamin B ist oft eines der Schlagwörter die fallen, wenn es um die Musikbranche geht. Und es stimmt. Wenn du weiterkommen möchtest, musst du anfangen mit anderen Leuten zu kooperieren und Beziehungen aufbauen, sie pflegen und für dich zu nutzen. Als ich nach Berlin kam, hatte ich einen Kontakt und das war mein Startpunkt. Von dort aus habe ich angefangen mein Netzwerk auszubauen. Was ich damit sagen möchte ist, wie wertvoll schon ein Kontakt sein kann, der ein komplettes Leben umkrempelt. Gehen wir davon aus, du hast 50 unterschiedliche Kontakte und diese könntest du kontaktieren und etwas zu deiner Arbeit fragen. Die Beat Unit beruht auf einem Defizit innerhalb der Musikbranche.

Worin siehst du die Vorteile zwischen einer einfachen Community und einem eingetragen Verein?

Eine einfache online Community ist nicht Fisch und nicht Fleisch, da die Community keine “juristische Person” ist und nicht rechtlich im Namen der Community handeln darf.

Ein eingetragener Verein ist eine “juristische Person” und man kann im Namen dieser handeln, sich nach außen präsentieren. Außerdem wird durch die offizielle Eintragung in dem Vereinsregister verdeutlicht, dass es sich hierbei um eine “gemeinnützige” Vereinigung handelt, welche keinen wirtschaftlichen Nutzen als Ziel hat. Durch die Eintragung und den Titel ist es auch leichter staatliche Fördermittel für bildungsfördernde Maßnahmen wie z.B Workshops zu erhalten. Des Weiteren gibt der Verein der Community eine gewisse Sicherheit, da in der Vereinssatzung viele Punkte geregelt und festgehalten werden. Ebenso hast du als Mitglied gewisse Rechte.

Was sind die Aufgaben von Beat Unit?

Die Aufgaben sind die Vernetzung von Produzent/innen und damit auch die Förderung von Knowledge innerhalb unserer Szene zu erweitern. Neuen Produzent/innen sollen über unsere Vereinscommunity direkt die richtigen Tools an die Hand gegeben werden, damit sie nicht in die ersten Fettnäpfchen treten, in das sie über ihre Karrierelaufbahn laufen. Sie können aus der Erfahrung unseren Community lernen.

Steht die Mitgliedschaft MusikProduzent/innen aus allen Genres offen? Und sind auch Leute aus anderen Bereichen der Musikproduktion und Musikindustrie als Mitglied willkommen?

Unbedingt! Jegliches Genre ist Willkommen, je verrückter, desto besser. Eine bunt gemischte Community mit u.a Gitarristen, Keyboarder, Saxophonisten ist willkommen und erwünscht. Im Fokus steht Musikproduktion und das Interesse an Beatmaking, Mix, Master, Recording. Je mehr Produzent/innen aus unterschiedlichen Genres vertreten sind, welche ihr Wissen zur Verfügung stellen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Fragen beantwortet werden.

Was sind die typischen Themen in den Beat Unit Chats?

Die häufigsten Themen sind Empfehlungen, oder Tipps für die DAW die man benutzt und welcher Synthi gerade richtig dope ist.

Empfehlungen von Mikrofonen oder Studioeinrichtung – wir haben u.a auch Mix/Master Engineers, welche dir Mixing Tipps zu deinen Demos geben. Generell ist es ein Nerdtalk unter Produzent/innen, die wenn dann später als Musikproduzent leben möchten oder bereits gestandene Produzent/innen sind. Neue Leute werden immer begrüßt und unser internes Regelwerk hilft, dass alles in einem professionellem Rahmen bleibt.

Der größte und spaßigste Teil an den Chats ist, dass jederzeit, egal um welche Tageszeit Samples oder Beats in die Gruppe geladen werden, welche Feedback benötigen oder einen auf “yo checkt, wie krass das ist” Beats reingeladen werden. Jedes Vereinsmitglied ist eingeladen, dabei mitzumachen.

Was sind Businesstechnisch aus deiner Sicht die häufigsten Fehler, welche Produzent/innen begehen?

Der größte Fehler ist, dass die Produzent/innen zu wenig Ahnung über ihre eigenen Rechte als Musikschaffender haben, wodurch diese ihre vorteilhafte Verhandlungsbasis erst gar nicht erkennen. Viele Produzent/innen erfahren erst Jahre später von Master Rights, weil keiner davon spricht. Wieso denn auch? Die Labels müssen es ja nicht anbieten, wenn es vom Produzent/innen darauf keinen Anspruch gibt. Viele Rapper bieten Deals an wie: Komm, wir machen den ersten Track so und wenn das dann klappt, dann kann ich dich super bezahlen mit Haus und Garten – wir können an einer Hand abzählen wie oft das vorkommt.

Der Produzent lässt sich einschüchtern von den lauten Rappern und den gewieften Managern. Er begibt sich damit in eine Position, welche dem Wert der Musik, der dieser schafft, nicht ansatzweise gerecht wird. Daher ist es wichtig, dass Produzent/innen sich gegenseitig aufklären und ihr Wissen weitergeben, damit die nächste Generation an Produzent/innen dieses direkt anwenden kann.

Wie siehst du aktuell die Entwicklung der Branche als Musikproduzent?

Es gibt leider viele Künstler, die kein Kapital für ordentliche Produktionen haben. Und da die Produzent/innen derzeit ”Freebeats” ohne Ende auf den Marktplatz werfen, kommt das Gefühl auf, als würde eine Produktion auch nicht mehr viel wert sein.

Die neue Generation an Produzent/innen ist schon im jungen Alter durch das Internet sehr konektet und wenn man sich genauer damit beschäftigt, konzentrieren sich viele direkt auf Amerika und interessieren sich gar nicht mehr für deutsche Künstler. Sie versenden über ihr “Email-Marketing” Beatpakete nach Amerika, um dort einen Beat zu platzieren. Meiner Meinung nach wird das auch in Zukunft auch weiterhin so von statten gehen, aber in Zeiten der schnellen Produktion und Ablieferung, bilden sich dann die wirklichen Produzent/innen heraus, die mit dem Artist im Studio sitzen und die Produktion besprechen und umsetzen.

Könnt ihr eure Mitglieder auch zum Thema Musikrecht und Verwertungsgesellschaften beratend beiseite stehen?

Ich bekomme öfters Anfragen, ob ich Produzent/innen über ihren Vertrag schauen kann. Oder jemand fragt mich, wie er sich bei der Gema anmeldet. Diese Hilfestellung gebe ich auch sehr gerne.

Wir möchten dazu jedoch ein größeres Seminar machen, in welchem die grundlegendsten Fragen zum Musikrecht von Vereinsmitgliedern oder auch extern gebuchten Verlagen beantwortet werden. Da wir in unserer Community auch viele gestandene Produzent/innen haben, können wir jedoch die meisten Fragen auch so beantworten.

Wieviele Produzent/innen sind derzeit in der Community?

In unseren Community-Chats haben wir derzeit 400 Produzent/innen, welche über Deutschland, Österreich und Schweiz verteilt sind. Nun wird es einen neuen exklusiven Vereins Chat geben mit übersichtlicher Struktur und Producern, die Bock darauf haben sich noch mehr zu helfen. Besonders beachtenswert ist hierbei, dass wir eine komplette Alterspalette bieten, von unserem jüngsten Produzent/innen mit 11 Jahren bis hin Produzent/innen, welche über 20 Jahre in der Branche arbeiten. Wir haben jedoch zu 50% unter 18 Jährige in den Chats, welche jetzt schon unglaubliche Beats bauen und Wissen über Musikrecht förmlich aufsaugen. Was mich besonders freut ist, dass auch Produzent/innen vertreten sind. Wir erhoffen uns, dass der Anteil der weiblichen Produzent/innen wächst. Somit möchte ich dazu ermutigen, dass sie dem Verein beitreten!

Inwiefern kann ich mich als Member von Beat Unit für die Community einbringen?

Als Vereinsmitglied bringst du dich immer positiv ein, wenn du jemanden in der Community hilfst, fragen beantwortest, Feedbacks zu Beats gibt. Auf unserer Website haben wir eine Form von Bibliothek unter Knowledge, in welcher Produzent/innen Wissensbeiträge über ihr Fachgebiet schreiben und über unsere Website publizieren können.

Die Community gibt dir etwas zurück, wenn du Ihr etwas gibst, so funktioniert das System.

Was wird der Mitgliedsbeitrag kosten und wofür werden diese hauptsächlich eingesetzt?

Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 100,00 Euro und wird dafür eingesetzt bildungsfördernde Maßnahmen für Produzent/innen umzusetzen und darüber hinaus, um Kosten für das Vereinsbüro und den Meetingpoint zu stemmen.

Wo siehst du Beat Unit in 5 Jahren?

Flavio, der zweite Vorstand und ich wir sind da sehr optimistisch!
In 5 Jahren wird jeder Produzent im deutschsprachigen Raum die Beat Unit kennen und es wird für jede größere Stadt in Deutschland einen Vereins-Chat für die Mitglieder geben. Beat Unit ist etabliert und die Rapper trauen sich nicht mehr zu fragen, ob die Produzent/innen nur für Credits einen Beat produzieren möchten.

In 5 Jahren haben wir krasse Studio- und Vereinsräume, in welchen sich die Mitglieder treffen und zusammenarbeiten können. Die zweijährige Vereinsversammlung findet in einer Villa statt und danach feiern wir unseren Zusammenschluss, hinter der Villa am Pool.

Wenn wir Produzent/innen wirklich zusammenhalten, unterstützen und sich genug Vereinsmitglieder zusammenfinden, die den Geist des Vereins verstehen, dann wird das eine vielversprechende Unternehmung in der Zeit des Musikproduktions Zeitalters.

Website: http://beatunit.net

Interview geführt am 11.11.2019

Autor: André Masterati

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