Kreative Blockade? Hier eine Ladung Inspiration für Produzenten

Der Klassiker. Du setzt dich hin, startest deine DAW (Digital Audio Workstation) und nach 20 Minuten löschst du frustriert die Datei. Jeder Produzent hat früher oder später mal so einen Tag. Der Loop ist 3785-mal durchgelaufen und der Kaffee mittlerweile kalt. Die Flamme der Inspiration fehlt und die Ideen zünden nicht. Doch zum Glück habe ich dir ein Feuerzeug mitgebracht.

Routine ist der Brandentschleuniger

Wenn man immer wieder die gleichen Schritte geht, kommt man auch immer wieder am gleichen Ort an. Mir ist aufgefallen, dass, wenn ich „auf Autopilot“ einfach das mache, was ich immer tue, dann bin ich zu ungeduldig, um mir für jedes Element und jede Spur Mühe zu geben. Dann habe ich nach 20 Minuten schon 10 Spuren, eine absolute Kakofonie und die Masterspur winselt um Gnade. Inspiration? Keine Spur.
Doch um dem vorzubeugen, habe ich mit der Zeit einige Techniken und Ideen zusammengestellt, die auch dir helfen werden. 

So entfachst du ein Feuer in deinem Studio (ich übernehme keine Haftung für Sach- oder Personenschäden):

1. Einen neuen Workflow ausprobieren 

Wir beide wissen jetzt, dass Routine die Kreativität eher hemmt. Deswegen kann es sehr inspirierend sein, einfach mal mit einem Element oder einem Arbeitsschritt anzufangen, den man normalerweise weiter hinten im eigenen Workflow findet. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, ein Projekt zu beginnen. Und oft kommt die Idee oder Inspiration, wenn du erst einmal in eine andere Richtung gehst. Hier sind einige Beispiele für einen möglichen ersten Schritt:

  1. Beginne damit, einen Drum-Groove zu erstellen, falls du normalerweise mit etwas Melodischem beginnst.
  2. Überlege dir eine Songstruktur oder ein Konzept, bevor du die erste Spur füllst.
  3. Schreibe einen Text und orientiere dann die Produktion an der Stimmung, die der Text erzeugt.
  4. Improvisiere auf einem Instrument oder MIDI-Controller.
  5. Lass dich beim Sound Design inspirieren und verwende das Ergebnis als Basis für deinen Song.

 Ändere deinen Workflow.

2. Sound Design nutzen, um neue Ideen zu entwickeln

In Punkt 1 hatte ich ja bereits kurz Sound Design als möglichen Startpunkt für deine nächste Produktion vorgeschlagen. Allerdings kannst du die Tongestaltung auch direkt als sprudelnde Quelle der Inspiration nutzen: 

Schnapp dir einen Synthesizer (analog oder in der DAW) und stelle ihn auf die Standardeinstellung (init preset) ein. Und los geht’s! Probiere einfach herum und lerne den Synthesizer kennen. Du kannst verschiedene Oszillatoren oder Wavetables, Filter, Modulatoren, Effekte und LFOs (und vieles mehr) benutzen und dich austoben. Und selbst wenn dabei mal nichts Ordentliches bei rumkommt, dann setzt du den Synthie wieder zurück und beginnst von vorne.
Dazu kannst du auch zusätzlich einen Arpeggiator zu Hilfe nehmen, der dir Rhythmen und Melodien generiert und somit frischen Wind bringt.

Heißer Tipp: Etwas Reverb (ca. 20-40%) auf die Spur mit dem Synthesizer ist wie das Öl im Motor und lässt es angenehmer und natürlicher klingen.

3. Samples und Presets vorbereiten und ggf. mit einem Controller arbeiten

Die natürlichste Art, Musik zu machen, besteht darin, entweder ein Instrument zu spielen oder zu singen. Doch viele Produzenten arbeiten hauptsächlich mit Maus und Tastatur in der Software und nehmen nur gelegentlich Instrumente oder Controller in die Hand. Und selbst wenn man beim Produzieren z.B. ein Midi-Keyboard verwendet, wird man immer wieder aus dem kreativen Fluss herausgerissen, wenn man die Maus zur Hand nehmen muss und auf den Computerbildschirm schaut.

Eine Möglichkeit, um länger im „Flow“ zu bleiben, ist die Vorbereitung im Vorhinein. Du kannst beispielsweise am Vortag einige Drums zusammenstellen, die zueinander passen und dazu ein paar Synthesizer-Presets und Instrumente in einem Projekt schon in unterschiedlichen Spuren bereithalten. Dann musst du in der Hitze des Gefechts nicht dauernd auf deinen Monitor gucken und dich durch etliche Presets und Drums durchklicken.

Das geht natürlich besonders gut, wenn du einen Controller hast, der dir ermöglicht, einen Teil der Funktionen deiner DAWs zu bedienen. Ich benutze zum Produzieren Ableton Live unter Zuhilfenahme des Ableton Push 2. Das reduziert meine Griffe zur Maus erheblich. Mit vorbereiteten Presets und Samples kann somit sofort losgelegt werden und Trackideen entstehen, bevor ich das erste Mal wieder auf den Bildschirm gucken muss.

Ein netter Bonus ist natürlich auch, dass die meisten Controller (so auch das Push 2) Drehregler besitzen. Dadurch kannst du beim Spielen oder Arrangieren direkt auch Parameter verändern, Filter öffnen und schließen oder Effekte bedienen.

4. Inspiration durch Sampling

„Music is everywhere.” Die Welt ist gefüllt mit den unterschiedlichsten Geräuschquellen. Wenn du mal ganz bewusst darauf achtest, dann wird dir auffallen, dass alle Objekte und Gegenstände ein ganz bestimmtes Geräusch machen, abhängig davon, wie du mit ihnen interagierst. Je nachdem, wie und womit du z.B. gegen einen Topf schlägst, klopfst oder darüberstreichst, kannst du unterschiedliche Geräusche erzeugen.

Falls du ein Mikrofon oder einen Sampler besitzt, ist das natürlich optimal. Wenn du nur dein Handy zur Hand hast, ist das aber auch völlig ausreichend. Keine exzellente Aufnahmequalität, aber genug, um etwas Inspiration aus der Umwelt aufzunehmen.

Nachdem du einige Geräusche aufgenommen hast, kannst du nun das Potential von Sampling weiter ausschöpfen:

  1. Kürzere Geräusche kannst du als Percussion einsetzen und einen Groove mit ihnen erzeugen (dazu bietet es sich an, die Geräusche ggf. zu filtern und die Charakteristik des einzelnen Sounds durch Anpassung des Attack, Sustain, Release und Decay hervorzuheben).
  2. Du kannst Samples in spielbare „Instrumente“ verwandeln, indem du ihre Loop-Geschwindigkeit veränderst.
  3. Längere Sounds lassen sich gut als „Ambience“ einsetzen, indem man mit Filtern, Reverb und Delay arbeitet.

Heißer Tipp: „Layer“ deine Drums mit den aufgenommenen Samples (nimm dafür am besten die gleichen MIDI-Informationen). Reduziere die Lautstärke der aufgenommenen Sounds so, dass sie den Drums etwas mehr Charakter und Volumen geben, aber nicht wirklich herauszuhören sind. Arbeite hierfür auch unbedingt mit einem Equalizer, damit sich keine Frequenzen in die Quere kommen.

5. An einem anderen Ort produzieren

Reisen ist für viele Menschen eine Quelle der Inspiration. Denn wenn man unterwegs ist, sieht man ständig neue Orte, neue Menschen und neue Dinge. Und Neues bringt Inspiration mit sich.

Wenn es dir so geht wie mir, dann kommen dir auch häufig musikalische Ideen, während du unterwegs bist. Meistens in Situationen, in denen man sie nicht direkt umsetzen kann, weil man gerade in der Bahn oder im Flugzeug sitzt. 

Außerhalb der eigenen vier Wände hat man häufig neue Ideen. Deswegen schlage ich dir vor, einen kleinen inspirativen Ausflug zu machen:

  1. Falls du in einer Stadt lebst, dann fahre doch mal mit der Bahn zu einer Station, an der du noch nie ausgestiegen bist, und setze dich dort auf eine Bank oder in ein Café.
  2. Wenn du in einer ländlicheren Gegend wohnst, dann laufe doch mal durch die Natur und lausche, was sie dir erzählt.
  3. Besuche Verwandte oder alte Freunde.
  4. Es kann auch sehr inspirierend sein, fremde Musik zu hören, während man im Zug oder Flugzeug sitzt und sich genau auf die Musik konzentriert. Oft fallen einem dabei Feinheiten, Stilmittel oder Details auf, die man oft in der Routine überhört.

Frische Luft hilft meistens. Außerdem wissen wir beide, wie wichtig sie für eine gute Brandentwicklung ist.

Jetzt weißt du, wie du deine kreative Blockade auflösen kannst. Hilf doch auch deinen Kollegen, indem du ihnen diesen Artikel schickst. 😉 

Gastbeitrag von Max Wesener

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