MOTU 828ES Audio Interface im Review (Testbericht)

Die in Cambridge ansässige Firma MOTU (Mark of the Unicorn) zählt zu den größten und bekanntesten Herstellern von Audio Interfaces und hat mit Digital Performer auch im DAW-Bereich einen großen Namen. Neben der 1224 und 1248 zählt die 828-Reihe schon seit knapp zwei Jahrzehnten zu Motu´s Flaggschiffen. Mit der 828ES bringt MOTU nicht nur ein einfaches Facelift zur weiterhin erhältlichen 828x, sondern setzt Userkritik um, und pimpt das Interface ordentlich auf. Neben neuen AD/DA Wandler und Preamps findet die 828ES nun auch einen Platz in der MOTU AVB Familie.

Übersicht

Die MOTU 828ES unterstützt eine Tiefe von 24 Bit bzw. 32 Bit Floating Point und eine Samplerate bis zu 192 kHz. Die Verbindung zum PC oder Mac ist via USB2 und Thunderbolt 3 möglich. Dabei sind die Schnittstellen zu USB3 und Thunderbolt 1 und 2 kompatibel. Des weiteren verfügt die Motu 828ES eine Ethernet-Schnittstelle für das AVB-Netzwerk und lässt sich so auch von anderen Geräten im WLAN-Netzwerk, sei es ein Laptop, iPad oder weitere Desktop-Rechner via Web App aus steuern und bedienen.

Das Audio Interface unterstützt Windows 7 und MacOS 10.8 aufwärts.

Die vorhandenen Anschlüsse sind für ein Interface in der Größe einer Höheneinheit beachtlich:

  • 2 Mikrofon- / Instrumenteingänge mit Pad und Phantomspeisung (XLR / TRS)
  • 8 Analog Eingänge (TRS)
  • 2 Analog Ausgänge (XLR)
  • 8 Analog Ausgänge (TRS)
  • 2 Kopfhörer-Ausgänge (TRS Stereo)
  • 2 Send Ausgänge (TRS)
  • 1 Timecode Ein- und Ausgang (TRS)
  • 1 Footswitch-Eingang (TRS)
  • 1 SPDIF Eingang
  • 1 SPDIF Ausgang
  • 2 ADAT Ausgänge (wahlweise ADAT oder Toslink)
  • 2 ADAT Eingänge (wahlweise ADAT oder Toslink)
  • 1 Midi In/Out
  • 1 Wordclock In / Out
  • integriertes Talk-Back Mikrofon
  • USB 2
  • Thunderbolt 3
  • Ethernet (RJ45)

Damit verfügt die MOTU 828ES 10 analoge und bis 18 digitale Audio Eingänge, sowie 10 analoge (ohne Sends) und bis zu 18 digitale Audio Ausgänge. Hinzu kommen die Kopfhörerausgänge.

Optisches Facelift & Verarbeitung

Nicht nur technisch, auch optisch hat sich bei der 828ES zu seinen Vorgängern einiges geändert. Statt LED Anzeigen kommen nun hochauflösende Flüssigkristall-Displays zum Einsatz.

Die Encoder und Taster sind nun nicht mehr so eng beieinander und lassen nun mühelos bedienen.

Wie bei MOTU gewohnt kommt auch die 828ES in einem stabilen Aluminiumgehäuse. Dieses besteht aus einer Ober- und einer Unterschale. Leider sind die Verbindungen der 2 Schalen nicht immer bündig, was der Optik leicht schadet. Im Gesamten wirkt die MOTU 828 sehr hochwertig, robust und modern anschaulich.

Beim Einschalten hört man leider immer noch wie bei den Vorgängern die Relais durch die Lautsprecher schalten. Statt einem lauten knacken kommt aber aber nur noch ein moderates knacksen aus dem Main Out.

Bedienung am Gerät

Links auf der Frontseite befinden sich 2 XLR/Line Eingänge, welche zum Anschließen von Mikrofonen oder Line-In Instrumenten wie eine Gitarre geeignet sind. Beide Eingänge verfügen jeweils über einen Preamp, welche mit Endlos-Encodern in 1dB-Schritten zu bedienen sind. Der Wert wird beim Bedienen der Encoder auf dem Display der 828ES angezeigt. Zudem lassen sich die Eingänge über Drucktaster einem Pad, sowie eine 48 Volt Phantomspeisung zuschalten. Rechts neben der Mikrofon Sektion befindet sich ein Druckschalter mit der Aufschrift Meter. Mit diesem werden die Meteranzeige-Presets für die Displayanzeige gewechselt. Links neben dem Displays befindet sich ein großer Endlosregler mit Drucktaster. Dieser dient zur Menüsteuerung. Rechts neben den Displays befindet sich ebenfalls ein großer Endlosregler. Dieser dient zur Lautstärkesteuerung des Monitorausgang (Lautsprecher). Die 828ES verfügt über ein umfassendes Monitor-Controller-System. So lassen sich zwei Stereo Lautsprecherpaare an den Ausgängen zuweisen. Über die Drucktaster A und B neben dem großen Volume Regler kann man zwischen den Lautsprecherpaaren wechseln oder beide gleichzeitig bespielen lassen. Zudem umfasst die Sektion noch Drucktaster für Mono abhören und Mute. Die 828ES kann auch ein ganzes Surround-System bespielen und managen. Die MOTU besitzt ein Talkback Mikrofon, welches links auf der Frontseite eingelassen ist und sich über den Druckschalter „Talk“ in der Monitor Sektion aktivieren lässt. Ganz rechts auf der Frontseite befinden sich die zwei Headphone Ausgänge. Diese lassen sich getrennt voneinander mit jeweils einem Endlosencoder in der Lautstärke regeln. Beim Steuern der Lautstärke für die Lautsprecher-, sowie Kopfhörerausgänge wird genau wie beim Mikrofon Preamp der Lautstärkewert im Display angezeigt.

Bedienung per Software (Pro Audio Control Web App)

Die 828ES ist das erste Interface aus MOTU´s 828-Reihe, welche nicht mehr mit der Software Cue Mix daherkommt. Die Software befindet sich nun auf dem Gerät selbst und kann über die Motu Web App via Internet Browser vollständig bedient werden. Dies hat den Vorteil, dass alle Parameter auf dem Gerät selbst gespeichert werden.

Die Web App lässt sich von allen Geräten via Browser (Safari, Chrome, Firefox etc.) aufrufen, welche sich im selben Netzwerk befinden, wie der an der MOTU angeschlossene Rechner. Die Software ist unterteilt in mehrere Reiter.

Im System-Reiter lassen sich unter anderem die Samplerate und Wordclock Quelle auswählen, die ADAT Ein- und Ausgänge als Toslink umschalten oder die Lines und das Talkback Mikrofon trimmen. Des weiteren kann man die Ausgänge für die Lautsprecherpaare auswählen und die Web App mit einem Passwort schützen. Für den Footswitch-Eingang lassen sich Befehle zuordnen. Das können auch Shortcuts für deine DAW oder das Betriebssystem sein. Zudem stellt MOTU einige Presets für verschiedene Anwendungen bereit wie Audiointerface, Standalone, Live Monitoring und mehr.

Im nächsten Reiter „Routing“ kann man über eine Routing Matrix den Signalfluss bestimmen. Hier kann man Ein- und Ausgänge zuweisen, virtuelle Audiokanäle und das Routing für den Monitormix erstellen. Es stehen 14 Aux Kanäle und 3 Subgruppen bereit. Es handelt sich quasi um eine digitale Patchbay mit unzähligen Routingmöglichkeiten. Ich war erst einmal überschlagen. Hat man die Matrix aber nach etwas Einarbeitungszeit verstanden, weiß man die Bedienung und Möglichkeiten sehr zu schätzen. Damit man während einer Session nicht versehentlich das Routing ändert, lässt sich die Bedienung der Matrix über ein Schlosssymbol sperren. Es lassen sich mehrere Routings für verschiedene Situationen erstellen und als Preset speichern.

Der Mixing Reiter zeigt uns jeden Kanal und ist eine Art digitales Mischpult. Hier kann der Monitormix vorgenommen werden. Alle Kanäle verfügen über einen Channelstrip mit HPF, EQ (4 Band) und Kompressor (LA-2A Style) zur Bearbeitung des Monitor-Signals. Je nach Routingeinstellungen kann der Channelstrip auch direkt ohne Latenz mit aufgenommen werden. Jeder Kanal verfügt über Sends für Subgruppen und Aux-Mixe. Zusätzlich steht ein Reverb-Kanal zur Verfügung, welcher von jedem Kanal gefüttert werden kann. Alle Effekte werden von einem DSP Chip berechnet. Dieser hat ausreichend Power.

Die Insert Effekte gefallen mir persönlich sehr gut. Der Hall klingt für mich zu blechern, für ein Monitoring aber ausreichend. Ich wünsche mir noch ein klassisches Beat-Delay als DSP-Effekt.  Auch im Mixing Reiter lassen sich die Einstellungen als Preset speichern. Über die iOS App MOTU Touch Control lässt sich der Mixer mit samt seinen DSP Effekten ebenfalls steuern.

Der Übersicht zu Liebe kann man sowohl in der Routing Matrix, als auch im Mixing Reiter alle Kanäle ausblenden, welche man nicht zur Ansicht benötigt.

Generell gefällt mir MOTU´s Web App Konzept prima. Leider sind die Ladezeiten beim Wechseln der Reiter oft mal ziemlich lang (3-5 Sekunden). In dem man sich die Reiter auf mehrere Browsertabs legt, kann man die Ladezeiten umgehen. Zuletzt ist noch zu sagen, dass MOTU für sehr eine konsequente und lange Produktpflege bekannt ist. So werden Updates für Firmware und Software stets weiterentwickelt und die Produkte aktuell gehalten bzw. optimiert.

Audio Analyse

Mitgeliefert wird eine Software mit Namen „Audio Tools“. Diese beinhaltet Analyse Tools, mit der sich 11 Stereo Ausgänge gleichzeitig in Echtzeit analysieren lassen.

PDF zu Motu Audio Tools Software

Neuer DAC

Das ES hinter der 828 steht für den Wandler- und Clock Chip-Hersteller ESS Tech. Nach langer Zeit hat MOTU nun mit dem ESS Sabre32 Ultra (ES9016S) einen neuen Wandlerchip in seine 828-Reihe verbaut. Dieser findet bei Motu auch in der aktuellen 1224 und 1248 ihren Platz. Auch andere renommierte Hersteller wie Apogee setzen auf diesen Chip.

Technische Angaben:

Samplerates: 44.1 | 48 | 88.2 | 96 | 176.4 | 192 kHz

Line-Ausgänge:  123 dB Dynamic Range | -108 dB THD-N | +20 dBu Max Level | 24 dBu (-24 bis 0) Trim Range

Line-Eingänge:  118 dB Dynamic Range | -108 dB THD-N | +24 dBu Max Level | 118 dBu (-96 bis +22) Trim Range

Mic Eingänge:  118 dB Dynamic Range | -128 dB THD-N | +24 dBu Max Level | 63 dB Trim Range

Kopfhörer Ausgänge:  108 dB Dynamic Range | -100 dB THD-N | 80 mw Max Level | 128 dB Trim Range

ESS Sabre32 Ultra Blockdiagramm

In unserem Test im Sonority Lab Mastering Studio zeigten sich die Line Ein- und Ausgänge als sehr linear. Im Frequenzspektrum von 20 Hertz bis 20 Kilohertz zeigten sich nur leichte Abweichungen je nach Frequenzgang um maximal +- 0,15 dB. Der Geräuschspannungsabstand der Line Eingänge betrug 105 dBu (bezogen auf +4 dBu). Die Übersteuerungsreserve der Line Eingänge lag bei +30 dBu. Werte der Spitzenklasse. (Keine Laborsituation) 

Vom Klangeindruck löst die Motu 828ES nicht so präzise im Höhenbereich auf wie beispielsweise eine RME UFX II oder Apogee Ensemble, welche letztere ja den gleichen Chip verwendet. Dafür empfand ich den kompletten Mittenbereich merkbar auflösender und musikalischer als bei einer UFX II oder Ensemble. Da es sich um Nuancen handelt, sollte es sich letztendlich um reine Geschmacksache handeln. Zuletzt sollte man noch bedenken, dass RME UFX II und Apogee Ensemble in etwa das doppelte wie eine MOTU 828ES kosten.

Verbesserte Mic Preamps

Die zwei Mic Preamps der MOTU 828ES lassen sich sowohl aus der MOTU Web App, als auch digital über jeweils einen Endlos-Encoder auf der Frontseite steuern. Zusätzlich bieten beide Preamps über einen -20 dB Pad und eine 48 Volt Phantomspeisung, welche sich per Taster von der Frontseite der 828ES oder über die MOTU Web App zuschalten lassen. Nur über die Web App lassen sich Phase drehen, sowie ein digitaler Low Cut als DSP Effekt stufenlos einstellen.

Über die rückseitig verbauten Send Ausgänge lässt sich das verstärkte Signal noch vor der Wandlung an weiteres Outboard wie einen Hardware Kompressor oder EQ senden und über einen Line Eingang zurück schleifen.

In unserem Test konnten wir eine Verstärkung von 64,9 dB erreichen. Das ist nicht übermäßig viel, aber für die meisten Recording Situationen mehr als ausreichend. Ähnlich wie die Line Eingänge ist der Preamp im Frequenzgang extrem linear. Die Geräuschspannungsabstände betrugen 92,9 dBu und die Überspannungsreserve -3 dBu.

Ich empfinde die Preamps für ein Audiointerface klanglich hochwertig und druckvoll. Im Vergleich zu einem externen Hardwaregerät wie der Tegeler Audio Manufaktur VTRC oder Focusrite ISA One klingen die Preamps der MOTU jedoch nicht so transparent und transientenreich. Jedoch brauchen sich die Preamps in der MOTU 828ES nicht vor deren in deutlich teureren Interfaces verstecken!

Ich persönlich nutze die Preamps sehr gerne in Verbindung mit einem Microtech Gefell M 930 Mikrofon für druckvolle Rap-Vocal-Aufnahmen.

Performance

Die Performance erweist sich als sehr gut. Zur Auswahl hat man eine Verarbeitungsblockgröße von 16 bis 4096 Samples. Auf meinem Mac Pro 5,1 System ist eine Aufnahme in Presonus Studio One 4 problemlos ohne Knackser bei 32 Sample Buffer Size möglich. Die VST-Leistungsanzeige bleibt im niedrigen einprozentigen Bereich konstant stabil. Bei 16 Sample Buffer Size waren wiederum keine Aufnahmen ohne Knackser möglich. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass mit einem modernen CPU auch Aufnahmen mit 16 Sample Buffer Size möglich sind. 

Die Latenz-Performance kann sich sehen lassen! Hier gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen USB und Thunderbolt Verbindung. Via USB und einer Samplerate von 44.1 kHz liegen die Latenzzeiten mit meinem System (Mac Pro 5,1 12 Core, Studio One 4) bei 32 Samples bei 1,2 ms am Ausgang und 1,2 ms am Eingang. Mit 16 Samples Buffer Size wären sogar 0,75 ms möglich. Beachtlich!

MOTU AVB

Über die Netzwerkbuchse lässt sich ein weiteres MOTU AVB Gerät hinzufügen und hat aus der Web App auf beide Interfaces unbegrenzten Zugriff. Mit einem MOTU Switch Port lassen sich sogar insgesamt bis zu 5 MOTU AVB Geräte zusammen betreiben. Bis zu 512 Kanäle lassen sich somit routen. So ist zum Beispiel in einer Live-Situation das Signal Routing, Monitoring und Live Mitschnitt mit einem System kein Problem.  Über die Web oder iOS App kann jedes Bandmitglied für sich einfach vom Smartphone oder Tablet ihren InEar Monitor Mix steuern.

Aktion

Zu jedem Kauf eines MOTU AVB Interfaces bei einem autorisierten MOTU-Fachhändler gibt es die deutsche Version von MOTU Digital Performer 9 als Box oder Download im Wert von 499,95 EUR und eine MOTU Tasche mit genügend Platz für Laptop und Interface gratis dazu. Die Aktion gilt, solange der Vorrat reicht.

MOTU 828ES AVB bei Thomann

Author: André „Masterati“ / Sonority Lab

Weitere Links zum Artikel:

ESS Sabre32 Ultra Product Brief

MOTU 828ES

1049€
9.4

Verarbeitung

8.5/10

Sound

9.5/10

Performance

9.5/10

Bedienung

9.5/10

Preis / Leistung

10.0/10

Pros

  • Sound
  • Performance
  • Preamps
  • Wandler
  • Preis / Leistung

Cons

  • Delay DSP Effekt noch wünschenswert
  • Web App Performance beim Wechseln der Reiter (Workaround mit mehreren Browsertabs lässt Ladezeiten umgehen)
  • Knacksen am Output beim Einschalten

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