So exportierst du deinen Mix für das Mastering richtig

Du hast Stunden und Tage an deinem Mix gearbeitet. Dieser klingt nach deinem Empfinden nun endlich so, dass du ihn für das Mastering freigeben möchtest. Damit dein Mastering Engineer das bestmögliche aus deinem Mix herausholen kann, ist es nicht nur wichtig, dass dein Mix gut klingt, sondern, dass du diesen auch korrekt beim Mastering Engineer anlieferst. Jedes Mastering Studio verfolgt bei den Spezifikationen einige verschiedene Anforderungen. Die meisten sind jedoch immer gleich.

Unser Autor und Mastering Engineer André „Masterati“ erklärt dir in diesem Blogartikel, wie du deinen Mix für das Mastering richtig exportierst.

Sei vorsichtig mit Hall und Delay Effekten

Hall und Delay Effekte können nach dem Mastering plötzlich viel mehr zum Vorschein kommen, als es vielleicht im Mix gedacht war. Durch den Einsatz von Dynamikbearbeitung, zum Beispiel durch Kompressoren und Limiter, können Effekte mit nach vorne gezogen werden, sodass das Verhältnis Dry / Wet verzogen wird. Auch kann durch das „Aufräumen“ mit einem EQ, ein Hall oder Delay lauter erscheinen, da dieser vielleicht durch das Frequenzbild des Mixes verdeckt war.

Dieses solltest du immer Hinterkopf behalten und deine Effekte dosiert einsetzen. Mit einem temporären Kompressor und Limiter auf der Summe, kannst du zwischenzeitlich überprüfen, wie sich dein Mix bei moderaten bis starker Dynamikbearbeitung verhält, und diese deinen Mix beeinflusst.

Darf ich meine Summeneffekte auf dem Mix aktiviert lassen?

Das kommt immer darauf an, und verschiedene Mastering Studios verfolgen hier verschiedene Ansichten.

Wenn du einen Summenkompressor und -Equalizer einsetzt und diese Komponenten wesentlich zum Klangbild des Mixes beitragen, weil du in diese Effekte hinein gemischt hast, sollten diese in der Regel aktiviert bleiben. In diesem Fall bitte ich jedoch meine Clienten, ggf. vorhandene Lowpass- und Highpass Filter im EQ zu deaktivieren und mir eine Version mit, und eine Version ohne Summeneffekte zu senden. Aus meiner Sicht sollte jedoch ein Limiter / Maximizer / Clipper auf der Summe immer deaktiviert sein, bevor es ins Mastering geht. Für die weitere Bearbeitungsschritte sind die Transienten wichtig, und ein erfahrener Mastering Engineer hat verschiedene Mittel deinen Mix später wieder richtig zu machen. Dazu trägt meist wenig der Limiter bei, sondern das Zusammenspiel der Mastering Effekt Kette. Es gibt aber auch Mastering Engineers, welche das Thema etwas anders sehen.

Eine Ausnahme besteht, wenn der Mix ins sogenannte Stem Mastering soll. Hier muss in jedem Fall die Effektkette der Summe deaktiviert sein. Den beim Exportieren der einzelnen Stems / Gruppen, reagieren die Summeneffekte A anders, als wenn alle Stems / Gruppen zusammenspielen und B summieren sich Effekte über den mehrfachen Stem-Export. Die Stems anschließend wieder zusammengespielt, ergeben dann nicht mehr den eigentlichen Mix.

Alternative Versionen

Bist du dir unsicher, ob die Vocals in deinem Mix zu laut oder zu leise ist? Oder 808 zu weit hervorkommt? Dann erstelle für den Mastering Engineer neben deinem eigentlich Mix alternative Versionen. Zum Beispiel neben dem Original Mix eine Version, in der die Vocals 1dB lauter sind und eine weitere Version in der die Vocals um 1dB leiser sind, wenn du dir mit der Lautstärke der Stimmen unsicher bist. So kannst du deinem Mastering Engineer entscheiden lassen.

Erstelle jedoch nicht wirrkürrlich viele alternative Versionen. Gibt es zu viele Unsicherheiten, solltest du nochmal mit etwas Abstand deinen Mix beurteilen und gerne auch vorab den Mastering Engineer um sein Feedback bitten.

Achte immer darauf, alternative Versionen sinnvoll zu benennen. Beispiel: No-Titel-Vocals+1db.wav

Zeitlich planen

Es ist wichtig, deinen Mix rechtzeitig zum Mastering zu geben. Oft erhalte ich Anfragen für ein Mastering mit einer Deadline von 1 bis 2 Tagen bis zur Abgabe zum Vertrieb oder Presswerk. Dies ist bei gut gebuchten Mastering Engineers nur selten möglich und wenn doch, dann oft mit Zusatzkosten verbunden.
Es ist immer sinnvoll den Mastering Engineer schon in der Mixing Phase mit einzubeziehen und sobald ein Anlieferungszeitraum absehbar ist, bereits einen Mastering Slot zu buchen. Setze dich also frühzeitig mit dem Mastering Engineer deiner Wahl in Verbindung, um dein Projekt zu planen. Neben der Zeit von der Anlieferung zum Mastering, sollte dabei auch ausreichend Zeit für Korrekturen eingerechnet werden. Diese können beim Mixing Engineer notwendig sein, wenn Files fehlerhaft angeliefert wurden, oder sich tiefer liegende Probleme im Mix beim Mastering herausstellen. Vielleicht sind aber im Nachhinein noch Änderungen am Mastering gewünscht.

Desweiteren solltest du dich beim Vertrieb und ggf. auch beim Presswerk informieren, bis wann du das Master dort spätestens abliefern solltest. Musikvertriebe benötigen vor allem in den Herbst- und Wintermonaten mehr Zeit deine Musik auf den verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen.

Headroom

Viele Mastering Studios bitten um einen relativ hohen Headroom von -6dB Full Scale. Eigentlich reicht es aus, wenn der maximale Peak eines Titels die -0,1 dB FS nicht überschreitet. Da jedoch die meisten DAWs keine Inter Sample Peaks messen, ist ein höherer Headroom beim Export ratsam, um auf Nummer sicher zu gehen. Zeigt die Messung des Pegels auf deinem Masterkanal (Main Out) deiner DAW einen maximalen Peak von -1 bis -2 dB FS an, sollten in der Regel keine ISP Clippings auftreten.

Dithering & Normalisierung

Beim Export, achte darauf, dass das Dithering und die Normalisierungsfunktion deiner DAW deaktiviert sind. Auch einige Plugins, wie die Waves Limiter (L1, L2 etc.) haben eine Dithering Funktion. Überprüfe also zusätzlich, ob du ein solches Plugin in deinem Projekt eingesetzt hast und ob in dem Plugin die Dithering Funktion tatsächlich deaktiviert ist.

Samplerate

Exportiere deinen Mix für das Mastering immer in der Samplerate, auf der auch dein Mixing Projekt eingestellt ist. Hast du deinen Mix zum Beispiel in der Samplerate 48 kHz gemischt, solltest du deinen Mix auch in 48 kHz exportieren. Die Samplerate Konvertierung übernimmt dann später der Mastering Engineer für dich.

Audioformat und Bitrate

Du solltest deinen Mix in ein verlustfreies Audioformat wie WAV PCM oder AIFF mit einer möglichst hohen Bitrate von 24 Bit oder 32 Bit Floating Point exportieren.

Vor- und Nachlaufzeit

Lasse vor und nach dem Titel einige Sekunden stille. So ist sichergestellt, dass alle Instrumente und Effekte am Ende auch ausklingen können und Anfang und Ende nicht beschnitten sind.

Besonderheiten beim Export für das Stem Mastering

  • Alle Stems / Gruppenspuren müssen den gleichen Startpunkt haben.
  • Achte darauf, dass die zu den Stems gehörigen Send-FX mit eingerechnet werden.
  • Auf deinem Masterkanal (Main Out) deiner DAW, sollten alle Effekte deaktiviert sein.
  • Lege nach dem Export alle Stems nochmal in einer neuen leeren DAW Session zusammen, und überprüfe, ob alle Stems zusammengespielt auch tatsächlich deinen Mix entsprechen.

Kommunikation

Wenn du bei etwas unsicher bist oder Fragen hast, kommuniziere mit deinem Mastering Studio bzw. Mastering Engineer.

Autor: André Masterati

 

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