So werden die Musikcharts errechnet

Wie werden eigentlich die deutschen Musikcharts ermittelt? Die häufigste Antwort welche ich höre ist  „Anhand der Stückzahl der Musikverkäufe und Streams, die innerhalb einer Woche getätigt werden“. Das ist nicht ganz richtig.

In Deutschland werden die Charts durch die Gfk ermittelt. Dabei fragt die Gfk z.B. für die Top 200 Albumcharts große Händler wie Saturn, Media Markt, Amazon und Co ab, wieviele Alben innerhalb einer Woche verkauft wurden und wieviel Umsatz der Verkauf erbracht hat. Weiterhin werden von großen Streaming-Diensten wie Spotify und Apple Music die Zahlen einzelner Titel und Alben durch Streams übermittelt. Hierbei zählen nur Premium Streams ab einer Länge von mindestens 31 Sekunden. Werbefinanzierte Streams fließen nur in die reinen Streaming Charts mit ein. Kleine Händler, eigene Onlineshops der Künstler oder Verkäufe auf Konzerten werden nicht abgefragt. Die Zählung beginnt am Freitag und endet am darauffolgenden Donnerstag.

Für die Ermittlung der Albumcharts orientiert sich die Gfk dabei um den generierten Umsatz eines verkauften Albums. Dabei gilt: 14 Euro Umsatz entsprechen 1 verkauftes Album.

Beispiel: Wird ein Album z.B. als Download auf Amazon für 7 Euro angeboten, so muss es zwei mal verkauft werden  um bei der Gfk als ein verkauftes Album angerechnet zu werden. Eine Limited Box, welche z.B. für 42 Euro verkauft wird, berechnet die Gfk als drei verkaufte Alben. Künstler X auf Platz 1 der deutschen Albumcharts hat somit nicht zwangsläufig die meisten Musikverkäufe innerhalb einer Woche erbracht. Mit Sicherheit aber den meisten Umsatz.
So kann es sein, dass Künstler XY auf Platz 1 deutschen Albumcharts offiziell 80.000 Platten verkauft hat. Durch eine hohe Anzahl verkaufter Premium Boxen und Limited Editions können es aber in Wirklichkeit nur 30.000 sein. Künstler YZ auf Platz 2 der deutschen Albumcharts hat offiziell 70.000 Platten verkauft. Da sein Album preiswert angeboten wurde und meist als Download verkauft wurde kann es jedoch sein, dass er in Wirklichkeit sogar mehr Alben verkauft hat als die offiziellen 80.000 des Künstler XY auf Platz 1.

Was zudem zu beachten ist, dass der Umsatz aus dem gesamten Vorverkauf bis zum Releaseday mit in die erste Woche eingerechnet werden. Gerade bei Hip Hop Artists ist oft zu beobachten, dass diese meist höherpreisige Premiumboxen verkaufen und bis zu einem Jahr vor Release im Vorverkauf anbieten.

Premiumboxen oder Limited Editions dürfen jedoch nicht über 50 Euro angeboten werden und der Wert der Beigabe muss unter dem Wert des musikalischen Inhaltes liegen.

Original Quellen: Sonority Lab und Gfk

Author: André „Masterati“

erstellt am 21.10.2017

aktualisiert am 27.05.2019

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