Sonic Dune 1Q73 im Review / Testbericht

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Testbericht & Klangbeispiele

Vor einigen Wochen bin ich in der Slate Audiophiles Facebook-Gruppe auf den 1Q73 von Sonic Dune aufmerksam geworden. In den Kommentaren wurde der Preamp des Gerätes hoch gelobt. „Der beste Neve 1073 Klon auf dem Markt“ und „Klingt wie ein Neve 1073, und wenn man möchte bekommt man noch mehr Neve Sound heraus“ hieß es unter anderem in den Comments. Also direkt mal bei Sonic Dune nach einem Testgerät gefragt und wenig später war es auch schon da. Zeit sich ein eigenes Bild / Ohr zu machen.

Overview

Der Sonic Dune ist ein Channel-Strip bestehend aus einem Preamp, Shelf-EQ, D.I., sowie Mikrofon zu Line Impedanzwandler und bietet viele Optionen zum Klangdesign. Dazu kann der 1Q73 als reine D.I. Box genutzt werden. Der 1Q73 ist dem Neve 1073 aus den 70er Jahren nachempfunden. Wer jetzt noch einen Kompressor vermisst: Auch eine Verdichtung des Audiosignals ist mit dem 1Q73 indirekt möglich. Entworfen und in Handarbeit gebaut werden die Geräte von Sonic Dune in Serbien.

Untergebracht sind die Schaltkreise des 1Q73 mit seinen Carnhill / St Ives Transformern in nur einer Höheneinheit. An der Frontseite befindet sich links ein unsymetrischer D.I. Eingang, an dem durch 2 Buffer das Audiosignal gesplittet wird. Einmal geht das Audiosignal durch das Processing des Sonic Dune zum Line Out und wird vor dem Preamp parallel an den D.I. Out weitergeleitet, sodass das Gerät auch als D.I. Box verwendet werden kann. Wie beim Original ist der Gain des Preamps in 5 dB-Schritten gerastert und bietet eine Verstärkung von +25 bis maximal +75dB. Beim Line Signal entspricht 35dB = Unity Gain, sodass das Line Signal um maximal +40 dB verstärkt werden kann.  In der 12-Uhr Stellung zwischen 50 und 55 db ist der Preamp deaktiviert, um ein Knacksen beim Wechsel zur zweiten Verstärkerstufe zu vermeiden.
Als weitere Optionen zum Preamp bietet der Sonic Dune 1Q73 einen Pad-Schalter, welcher das Eingangssingal von Mic, Line und D.I. um -25dB über einen Pre-Transformer herabstuft. Natürlich bietet der 1Q73 auch eine +48 Volt Phantomspeisung für die Bespeisung von Kondensatormikrofonen, sowie einen Low/High-Z Schalter mit dem die Eingangsimpedanz zwischen 1200 und 300 Ohm umgeschaltet werden kann. Bei 300 Ohm Impedanz ist das Eingangssignal etwas lauter und vom Klang aggressiver als bei 1200 Ohm. Im gleichen Bereich befindet sich noch ein sogenannter ITS-Load Kippschalter. Liegt dieser nach unten liegt ein Elektrolydkondensator über der zweiten Wicklung des Eingangstranformators. Ist der Kippschalter nach oben gestellt liegt statt dem Kondensator ein 12 kOhm Widerstand an. Dabei wird das Signal um -0.75dB gesenkt und hat einen leichten Roll-Shelf in den obersten Höhen zufolge.

In der Mitte des Gerätes ist der stufenlos regelbare Potentiometer für den Ausgangstransformer zu finden. Rechts daneben befindet sich die EQ-Sektion. Dabei handelt es sich um einen Low- und Highshelf EQ. Auch beim EQ wurde die Schaltung des Neve 1073 nachempfunden. Das Gain des Low- und das Highband sind mit einem Doppelpotentiometer stufenlos regelbar. Während die Frequenz für den Highshelf bei ca. 12 kHz fest geregelt ist kann der Schwellenwert des Lowbands zwischen 60 Hz und 110 Hz gewählt werden. Einen Lowcut bietet der 1Q73 nicht. Alternativ könnte man die tiefen Frequenzen über den Low-Shelf absenken.

Auf der rechten Seite liegen 2 Buttons welche vielleicht erstmal ein Fragezeichen aufkommen lassen: ST und SR. ST bietet die Besonderheit die Transistoren am Ausgangstransformater zwischen den Modellen 2N3055 oder TIP41C umzuschalten. Rechts daneben befindet sich der Button SR. Mit  lässt sich die Regelung der Stromversorgung am Ausgangstransformer zwischen diskret (vintage) und monolithisch (modern) regeln. Bei „modern“ findet eine leichte Verdichtung des Audiosignals statt.

Auf der Rückseite befinden sich neben Mic In, Line In, Line Out und dem schon angesprochenen D.I. Out eine weitere XLR Buchse mit der Bezeichnung LM Out. LM Out steht für Line to Microphone. Dies liefert das Line-Eingangssignal und stuft dieses um -35dB herab um das Signal auf Mikrofonpegel zu bringen. Dieses kann nützlich sein, um den Ausgang des Sonic Dune mit einem Mikrofon als Quelle zu betreiben.

Verarbeitung & Usability

Als erstes fiel uns auf das das Gerät ein ordentliches Gewicht aufweist, welches wir bei der Größe so nicht erwartet haben. Der 1Q73 wirkt sehr robust und die Verarbeitung sowie die Haptik der Potis, Schalter und Buttons fühlt sich sehr hochwertig an. Bei unserem Testgerät war teilweise die Aufschriften des Frontpanels nicht mehr erkennbar und ließ sich mit feuchten Fingern leicht verwischen. Auf Nachfrage versicherte Sonic Dune, dass dies nur beim Testgerät so sei und der Druck der Aufschriften bei Verkaufsgeräten ordentlich gelöst ist.

Uns persönlich störte es etwas, dass die 0-Stellung beim Output und EQ Potentiometer nicht gerastert ist bzw. es keine haptische Rückmeldung darüber gibt. Dies ist jedoch beim Original Neve 1073 auch nicht der Fall. Der Verkaufsmanager von Sonic Dune gab auf die Kritik Rückmeldung, dass man hier mit dem Entwickler prüfen wird, ob in der nächsten Revision hierfür eine Lösung möglich ist.

Alle Potis, Buttons und Schalter sind sehr leicht zugänglich und logisch angeordnet. Lediglich den Output Potentiometer sehe ich persönlich ganz rechts logischer positioniert.

Klang & Sound

Hier gab es für mich die größte Überraschung mit einem langen Smiley im Gesicht. Ausgepackt und an meine Apogee Ensemble angeschlossen habe ich als erstes erstes ein paar muffige Rap Vocals durch den Sonic Dune 1Q73 per Linesignal gejagt, welche ich zuvor für ein Mixing Projekt erhalten habe. Schon bei Unity Gain war eine leichte subtile angenehme Klangfärbung erkennbar. Den Gain auf 50 aufgedreht wirkten die Vocals plötzlich deutlich klarer und die Muffigkeit aus den unteren Mitten verschwanden ohne das die Vocals an Kraft und wärme verloren. Im Gegenteil! Die Vocals klangen bei gleichem Pegel in der DAW nun deutlich mehr „Head to Head“. In den Mitten und Höhen lag nun zudem dieser unverwechselbare Neve typische Shimmer. Mit ST auf „modern“ gestellt hatte ich das Gefühl, dass das Rap Vocal nun noch mehr an mir dran ist und die großen Dynamikschwankung in Zaungehalten werden. Gegenüber der Originalaufnahme musste ich nun den technischen Level leiser fahren um die gleiche wahrnehmbare Lautstärke im A/B Vergleich zu habe. Mit der Regelung der Stromversorgung kann der Sonic Dune also tatsächlich auch als Kompressor fungieren. Erst später im Handbuch wurde ich aufmerksam, was es mit dem SR Button tatsächlich auf sich hat.

Bei dem hier genutzten Ausgangsmaterial, wo ich vorher dachte, dass es eine harte Arbeit wird den gewünschten Sound zu erzielen hatte ich mit den Sonic Dune innerhalb 2 bis 3 Minuten meinen gewünschten Sound erreicht und kein Verlangen mehr mit EQ und Dynamikprozessoren nachzuregeln (Außer Lowcut).

Ich kann jetzt natürlich noch weiter schreiben, wie wir den Sonic Dune 1Q73 erlebt haben und wie dieser klingt. Doch besser ist ihr macht euch euer eigenes Bild mit den Ohren. Dafür haben Birger und ich einige Soundsamples mit vielen verschiedenen Settings aufgenommen. Zuletzt möchte ich aber noch positiv anmerken, dass der Sonic Dune 1Q73 ein extrem geringes Eigenrauschen von weit unter 90 dB in unserem Test aufwies. Auf gehts zum Hören!

Soundbeispiele

Um eine gleiche Performance darzustellen haben wir für die Soundbeispiele alle Vocals und Instrumente Re-Ampt. Alle Signale wurden dabei mit der Presonus 192 Studio AD/DA gewandelt.

Preis / Leistung

Der Preis für den Sonic Dune 1Q73 liegt bei 1350 EUR + VAT. für einen Neve 1073 Klon empfand ich dies erstmal eher hoch angesiedelt. Gibt es doch andere gute Klone des 1073 Preamps schon für unter 600 Euro. Nach dem Test sehe ich den Preis als sehr angemessen. So bietet das Gerät ja nicht nur einen Preamp, sondern einen Strip mit EQ, viele Features womit man mit dem 1Q73 sehr flexibel arbeiten und einen individuellen Klang formen kann. Die verwendeten Komponenten im Innenleben sind erstklassig! Klanglich bewegt sich der 1Q73 auf höchstem Niveau und brauch sich somit vor seinem großen Vorbild keinesfalls verstecken. Der 1073 ist deutlich getroffen und doch weist der Sound des Sonic Dune noch einen eigenen sehr charmanten Charakter auf. Ich werde den 1Q73 sehr vermissen und halte mir einen Platz im Rack für dieses Gerät in Zukunft frei.

Textauthor: André „Masterati“

 

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Bewertung der Redaktion
  • Klang & Sound
  • Features
  • Verarbeitung & Usability
  • Preis / Leistung
4.9

Kurzfassung

Der Sonic Dune glänzt mit hochwertigen Komponenten, einer soliden Verarbeitung und Features, Features, Features. Soundlich bewegt sich der 1Q73 auf höchstem Niveau, trifft den Sound seines großen Vorbildes und behält dabei noch einen gewissen eigenen Charme für sich. Mit seinen vielen Optionen ist der Sonic Dune extrem vielseitig. Die Preis / Leistung sehen wir als absolut in Ordnung an. Bis auf die 2 Kritikpunkte mit der 0-Stellung beim Output und EQ, und die Verarbeitung der Aufschriften bei unserem Testgerät haben wir nichts auszusetzen. Der Hersteller versicherte, dass das Problem mit der Aufschrift nur am Testgerät vorliegt.

Test-Datum: 11/2017

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