Spitfire – BBC Symphony Orchestra im Review (Testbericht)

Installation:

Die BBC SO –Library  kommt mit satten 566 GB Content daher. Entweder als Download oder alternativ gegen Aufpreis auf einer SSD. Bei mir war es der Download.

Mit der „Spitfire Audio.app“, einem Account bei Spitfire und etwas Geduld lädt die App die Library herunter und installiert sie selbstständig.

Auch Updates werden in der  „Spitfire Audio.app“ angezeigt und können problemlos ausgeführt werden.

Interface:

Abgespielt werden die Samples nicht, wie vielleicht erwartet, mit dem NI Kontakt-Player sondern mit dem hauseigenen Sample Player der in diesem Fall natürlich „BBC Symphony Orchestra“ heißt. Installiert werden AU, VST2, VST3, AAX – Plug-Ins. Eine Standalone-Version ist nicht mit dabei. Braucht es eigentlich auch nicht.

Der Player ist sehr intuitiv aufgebaut und fast selbsterklärend. Zumal unten links immer Informationen über die Slider oder Kontrollfelder, wo sich der Mauszeiger gerade befindet , angezeigt werden. Der Spitfire-Player geht natürlich nicht so in die Tiefe wie Kontakt (Samplebearbeiteung, FX-Section etc.) . Aber es ist alles an Board was man benötigt und das, sehr übersichtlich. Die CPU-Belastung würde ich eher als geringer einschätzen. Auch optisch macht das GUI was her.

Allgemein:

BBC SO kommt mit den vier Orchester Sektionen Strings, Woodwinds, Brass und Percussion. Nach kurzem durchprobieren der einzelnen Sektionen merkt man sofort das die Library wie EIN Orchester klingt. Alles passt klanglich zueinander wie aus einem Guß. Ensemble-Patches (wie z.B. „All Strings“, „Low Brass“, High Woodwinds“ etc.) sucht man vergeblich. BBS SO geht da mehr ins Detail der einzelnen Divisi und Instrumente. Womit man letzten Endes auch einen detaillierten, natürlichen Klang erzeugen kann. Auffallend sind die enorm vielen Mikrofon-Positionen die Spitfire hier bei allen Instrumenten anbietet. Von Mono, Close, Tree, Out, Ambient, Balcony, Leader, Stereo, Mids, Sides, Close Wide Pan über SPILL MICS: (Mic´s die während der Aufnahme einzelner Instrumente offen blieben. Z.B. die Mic´s der 1. Violinen bei der Aufnahme der Oboe e.t.c.) Spill (Strings), Spill (Woodwinds), Spill (Brass), Spill (Percussion), Spill (Full) bis zu fertigen MIXES: Mix 1 (Full), Mix 2 (Jake Jackson)
und Atmos (2 front & rear).

Diese kann man in jeder beliebigen Form mischen oder ganz pur Close mit externen Hall oder dem internen Reverb des Players versehen. Aus diesen vielen verschiedenen Mic-Positionen ergeben sich unendlich viele Klangmöglichkeiten entweder für das gesamte Orchester oder einzelne Divisi oder Instrumente die es bis dato noch nicht gab. Trotzdem klingt das Orchester dabei noch homogen und sehr natürlich. Man kann z.B. durch anheben der Close (direkt am Instrument)oder Close Wide Pan (Position im Orchester) – Mic´s eine Flötensolo etwas nach vorne holen ohne, das es unnatürlich klingt. Allerdings erhöht sich, je mehr Mic-Positionen man lädt, die RAM-Nutzung enorm. Im Normalfall nutzt man sicherlich den Mix 1, der sehr klassisch klingt oder Mix 2, der sich eher für Trailer eignet wenn sich das Orchester gegen Drums, E-Bass, E-Gitarre und dergleichen durchsetzen muß. Die Sitzposition der Instrumente ist klassisch.

Logic ProX : https://www.spitfireaudiothepage.com/posts/logic-templates-03     

Cubase: https://www.spitfireaudiothepage.com/posts/cubase-template-01                  

Pro Tools: https://www.spitfireaudiothepage.com/posts/pro-tools-template-01                  

Da steckt eine Menge Arbeit drin und ist für viele User sicher sehr hilfreich.

Strings:

Bei den Strings bietet uns BBS SO : Violin 1 Leader, Violins 1 (16 Player), Violin 2 Leader, Violins 2 (14 Player), Viola Leader, Violas (12 Player), Cello Leader, Celli (10 Player), Bass Leader, Basses (8 Player). Leader sind die Jungs und Mädels am ersten Pult Ihrer jeweiligen Instrumentengruppe. Auch gut als Solo-Instrument zu verwenden oder über die Leader-Mic-Position der Gruppe zu mischen, was gerade bei Legato Linien mehr Durchsetzungskraft und Ausdruck verleihen kann.

An Spieltechniken ist alles da was das Herz begehrt. Ausgenommen spezielle FX-Techniken, Triller über die große Sekunde hinaus oder Tremolo-Legato usw. Aber das würde auch den Rahmen sprengen und die Library noch größer als machen sie ohnehin schon ist. Dafür sollte man sich, wenn man es denn braucht spezielle Libraries zulegen.

Dies sind die Spieltechniken der 1. Violinen:

  • Legato (Portamento & Slurred)                                                                   • Trill Major 2nd
  • Long

                                                                                                                   • Trill Minor 2nd
  • Long CS
 (CS – con sordino)                                                                          • Long Sul Tasto
  • Long Flautando                                                                                                • Long Harmonics 
  • Spiccato
                                                                                                             • Short Harmonics
  • Staccato
                                                                                                            • Bartok Pizzicato
  • Pizzicato                                                                                                            • Long Marcato Attack 
  • Col Legno                                                                                                          • Tremolo Sul Pont 
  • Tremolo                                                                                                            • Tremolo CS
  • Long Sul Pont                                                                                                   • Spiccato CS 

Das gilt so ungefähr für alle Streichinstrumente.

Klang:

Als erstes probiert man ja den Ressource-hungrigen Legato Modus aus. Und siehe da, so hungrig ist der gar nicht. Das Legato fühlt sich unheimlich realistisch und natürlich an.

Ob langsame oder schnelle Passagen. Die Strings hängen immer perfekt an den Tasten.

Ob leise oder laut. Es klingt immer sehr seidig warm. In der Main-Control kann man mit dem linken Slider EXPRESSION, mit dem rechten DYNAMIC und am großen runden Button bei den meisten long-Techniken VIBRATO kontrollieren. DYNAMIC ist default auf CC1 also Modulationsrad eingestellt. Kann man aber jederZeit individuell zuweisen. Standardmäßig umschalten lassen sich die Artikulationen über Keyswitch. Aber auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

Die Besonderheit bei den Strings ist, dass es für jede Instrumentengruppe ein Lederpatch gibt. So z.B. Violins 1 Leader, Violins 1 etc. …….. Sozusagen ein Solo-Instrumentalist der perfekt zu den korrespondierenden Instrumentengruppen passt. Dort spielt er/sie ja auch noch mit. So lassen sich auch kleinere Arrangements wie z.B. Streichquartette oder Passagen innerhalb größerer Arrangements mit Solo-Streichern etc. problemlos realisieren. Polyphones Legato, wie bei anderen konkurrierenden Kontakt-Libraries gib es hier leider nicht. Spitfire legt hier eher Wert auf den homogenen Klang und die zahlreichen Spielweisen. Vermutlich liegt es aber auch an der Player Software. Da sind die NI Kontakt-Scripts vielleicht doch schon etwas weiter. Ich bin sowieso ein Freund davon jede Legato Stimme einzeln einzuspielen um ein realistisches Ergebnis zu erzielen.

Klanglich jedenfalls gibt es gar nichts zu meckern. Sowohl die langen Artikulationen wie Sustain, Con Sordino, Flautando, Tremolo, Sul Tasto und die Harmonics als auch die kurzen Spielweisen wie z.B. Spiccato, Staccato, Pizz etc. sind soundmäßig auf höchsten Niveau und inspirierend. Beim umschalten der Artikulationen hat man immer das Gefühl dieselben Musiker/innen zu hören. Was nicht immer so der Fall ist.

Woodwinds:

An Woodwinds gibt es: Piccolo, Flute, Flute a3 (3 Players), Oboe, Oboes a3, Cor Anglais (Englisch Horn), Clarinet, Clarinets a3, Bass Clarinet, Contrabass Clarinet, Basson, Bassons a3 und Contrabassoon. Contrabass Clarinet und Contrabassoon sind schon etwas außergewöhnlich klingen aber schön fett und real. Generell kann man sagen das alle Instrumente, besonders Piccolo, Flutes und Oboe einen sehr weichen, runden nicht quäkenden Sound haben, wie es manchmal der Fall sein kann. Auch das Cor Anglais ist eine gelungene Alternative zur Oboe oder Klarinette. Der Legato Modus ist bei allen Instrumenten sehr intuitiv und smooth. Artikulationen wie Rip´s, Fall´s und Multi-Tongue sind tempo-synced und lassen sich über den großen runden Knob in der Einstellung Variation in der Länge ändern.

Alle Artikulationen lassen sich sowohl bei Strings, WW, Brass und Percussion löschen, hinzufügen oder individuell anordnen. Sehr praktisch. So geänderte Patches lassen sich einfach im User Ordner abspeichern.

Brass:

Die Brass-Sektion umfasst: Horn, Horns a4 (4 Players), Trumpet, Trumpets a3, Tenor Trombone, Tenor Trombones a3, Bass Trombones a2, Tuba, Contrabass Tuba und Contrabass Trombone.

Auch hier geht es mit der Contrabass Tuba und der Contrabass Trombone tief runter in den Bassbereich. Aber da ist nichts schwammig oder muffelig. Alles klingt satt und differenziert bis nach ganz unten.

Die Hörner klingen im unteren Velocity-Bereich sehr schön warm und weich und fangen mit zunehmender Lautstärke an zu strahlen. Das gilt ebenso für die Trompeten, ohne das sich bei maximaler Expression ein nerviger Klang entwickelt.

Auch die Posaunen fangen weich an und werden laut sehr schmatzig. Das Patch mit den 3 Posaunen hat schon bei Singlenote-Lines einen sehr durchsetzungsfähigen Sound.

D.h. wenn man einen tiefen Dreiklang spielt, hört man ja eigentlich 9 Posaunen. Das wird schnell unrealistisch und schwammig. Da sollte man dann doch auf das Solo-Patch zurückgreifen.

Percussion:

In der Percussion-Sektion sind enthalten: Untuned Percussion ( Anvil, Bass Drum1, Bass Drum2, Cymbals, Military Drum, Piatti, Snare1, Snare2, Tam Tam, Tambourine, Tenor Drum, Toys und Triangle) als ein Patch zusammengefasst, Timpani, Harp, Marimba, Celeste, Xylophone, Glockenspiel, Tubular Bells, Vibraphone und Crotales.

Auch hier fällt der warme, homogen Klang aller Instrumente sofort ins Ohr.

Die Spieltechniken sind hier nicht ausgefallen, eher standardmäßig und vergleichbar mit anderen Orchester Libraries. (Außer vielleicht die Rolls bei den Tubular Bells und beim Glockenspiel) Bei der Harp gibt es auch Glissando, entweder Up oder Down. Leider nur in Moll oder Dur, Pentatonik und Ganzton-Glissando hätten auch nicht geschadet. Besonders gefallen hat mir die Celeste. Ein schöner, warmer, runder Sound. Eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Artikulationen findet sich bei der Timpani.

Normale Hits, Hits Soft, Hits Hotrods, Hits Damped, Hits Super Damped, Hotrods Hits Damped und noch Hits Damped Soft mit den dazugehörigen Rolls. Da bleibt bei Timpani Fans kein Auge trocken. Klanglich, wie gesagt, alles vom Feinsten.

Fazit:

Die Spitfire BBC Symphony Orchestra Library klingt fantastisch. Sehr ausgewogen über alle Orchester Sektionen und Ihren einzelnen Instrumenten hinweg. Man hat das Gefühl Herr über EIN Orchester zu sein, das in einem Saal vor einem sitzt. So sehr passen die Instrumente klanglich zueinander. Hervorzuheben sind die enorm vielen (20 insgesamt) Mic-Positionen mit denen man den Klang sehr geschmackvoll und realistisch beeinflussen kann. Aus Spaß hab ich das Violin 1 Leader–Patch mal mit alles Mic-Positionen geladen und bin auf 11,1 GB gekommen. Das macht natürlich keinen Sinn. Aber erklärt vielleicht die stolze Library-Größe von 566 GB. Darüber hinaus ist der Spitfire-Player übersichtlich und intuitiv zu bedienen.

Author: Andre Pawelski (Komponist, Berlin)

  • ~1005296 SAMPLES
  • 566.0 GB DOWNLOAD SIZE Made up of 4 separate downloads – strings, brass, woodwinds & percussion.
    Too large to download? Choose SSD or hard drive delivery at checkout.
  • 568.0 GB DISK SPACE REQUIRED DURING INSTALL
  • MAC SYSTEM REQUIREMENTS Mac OS X 10.10 or later Minimum: 2.8GHz i5 minimum (quad-core), 8GB RAM. Recommended: 2.8GHz I7 (six-core), 16GB RAM. Machine must be connected to the internet during install.
  • PC SYSTEM REQUIREMENTS Windows 7, Windows 8, or Windows 10 (latest Service Pack, 64-bit) Minimum: Intel 2.8 GHz i5 (quad-core) or AMD Ryzen 5. Recommended: Intel 2.8 GHz i7 (six-core) or AMD R7 2700. Machine must be connected to the internet during install.

Spitfire - BBC Symphony Orchestra

749 USD
9.1

Preis / Leistung

8.5/10

Sound

9.5/10

Performance

8.7/10

Bedienung

9.5/10

Pros

  • Sehr realistischer, warmer, homogener Orchesterklang über alle Instrumente hinweg.
  • Große Auswahl an Artikulationen. Gerade bei den Strings. Leader-Patch bei allen Streicher Sektionen. 20 verschiedene Mic-Positionen!

Cons

  • (Vielleicht time-synced Runs oder mehr Glissando bei der Harfe: Das würde die Größe der Library dann wohl doch sprengen)

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