Tourneen, Merchandise und Booking Agenturen (Audiosteps x Spinnup)

Tourneen

Der Schritt von kleinen, lokalen Gigs zu einer landesweiten Tournee oder gar einer Tour im Ausland kann eine großartige Erfahrung sein und deine Karriere ein gutes Stück voranbringen. Allerdings sind Tourneen – vor allem, wenn du noch nicht etabliert bist – eher anstrengend als glamourös, Stichwort: 6er-Zimmer Jugendherberge.

Wie immer gilt: kein Act dieser Welt beginnt seine Live-Karriere mit einer internation- alen Headliner-Tour, vielmehr muss sich die überwiegende Mehrheit auftretender Künstler*innen erstmal geduldig von kleineren zu größeren Gigs hochspielen, unter Umständen über Jahre hinweg. Setze dir also beim Ausarbeiten deiner Live-Pläne re- alistische Ziele, um dich selbst auf Dauer nicht zu demotivieren.

Planen deiner eigenen Tournee

Beginnen wir also mit der Do-It-Yourself-Variante. Sobald du in der lokalen Szene kein ganz un- beschriebenes Blatt mehr bist, eine kleine Fanbase aufgebaut und erste Blog- und Zeitungsar- tikel gesammelt hast, kannst du damit anfangen, Booker*innen und Veranstalter*innen außer- halb deiner Stadt zu kontaktieren. Du brauchst zum Start nur einen Menschen in einer anderen Stadt, der dir die Chance gibt, ein Konzert in seiner Venue zu spielen. Sobald du diesen ersten Termin fixiert hast, kannst du andere Veranstalter*innen und Venues in benachbarten Städten oder Orten, die auf dem Weg liegen, kontaktieren und sie um Auftrittsmöglichkeiten bitten. Je mehr Gigs du für dich gewinnst, desto interessanter wirst du für andere Veranstalter*innen und erhöhst damit deine Chance, weitere Auftrittszusagen zu bekommen. Es kann zu einem richtigen Domino-Effekt werden.

Behalte stets deine Ausgaben im Blick und versuche kostendeckend zu planen, denn die finanzielle Situation im Rahmen einer Tour ist für viele Newcomer am Anfang eine Heraus- forderung. Scheu dich nicht davor, die Veranstalter*innen der Konzert-Venue nach Unterbrin- gungs- und Schlafmöglichkeiten vor Ort zu fragen, wenn nur ein sehr kleines Budget für diesen Posten der Tour-Ausgaben vorhanden ist. Zumindest deine Reisekosten und ggf. die Miete für einen Van sollten gedeckt sein.

Ein weiterer Tipp: informiere dich, ob es in deiner Stadt oder in deinem Bundesland Förder- möglichkeiten oder finanziellen Tour-Support für Nachwuchskünstler*innen gibt. Oft reichen ja schon ein paar Hundert Euro aus, eine Tour für dich möglich zu machen. Und Musikförderung, z. B. durch das städtische Popkulturbüro, findet immer mehr Anklang in der Politik. Tausche dich in Sachen Tourplanung und -Finanzierung auch mit solchen Bands oder Artists aus dei- nem Umfeld aus, die schon eine Tour hinter sich haben und frage sie nach Tipps.

Das Leben unterwegs

Wenn du mit einem Kleinbus auf Tournee gehst, in dem du dein ganzes Equipment transporti- erst, dann nimm auch einen Schlafsack mit, den du notfalls in einer nicht so komfortabel aus- gestatteten Übernachtungsmöglichkeit des örtlichen Veranstalters ausrollen kannst. Das klingt zwar eher ungemütlich und sollte auf keinen Fall die Regel darstellen, aber aus Erfahrung können wir sagen, dass es doch irgendwann allen mal passieren kann. Niemand hat gesagt, dass das Tourleben glamourös ist!

Während einer Tournee solltest du besonders auf deine körperliche und geistige Verfassung achten. Deine Übernachtungsmöglichkeiten sind zwar manchmal alles andere als perfekt, aber achte darauf, genug Schlaf zu bekommen. Du stehst deine Tournee vermutlich nicht durch, wenn du jede Nacht feierst, als gäb’s kein Morgen mehr. Nimm dir außerdem etwas mit, was dir Wohlbefinden verschafft, z. B. ein gutes Nackenkissen für die Stunden auf der Au- tobahn, deine Lieblingsmusik in Form von Playlisten oder dein bequemstes Schlafshirt. Nimm dir ein Stück von deinem Zuhause mit auf Tour!

Achte auf deine Gemütsverfassung und dein körperliches Befinden und sei ehrlich mit deinen Bandkolleg*innen oder den lokalen Veranstaltern, wenn du dich mal nicht so toll fühlst und dich lieber für ein Stündchen zurückziehen willst, um für den Auftritt wieder fit zu sein.

Tourmanagement

Wenn du zu den Glücklichen zählst, die einen gewissen Bekanntheitsgrad als Küns- tler erreichen, dann kannst du dir vielleicht auch eine*n Tourmanager*in leisten. Die Aufgabe des Tourmanagements ist es, dich erfolgreich von Konzert A zu Konzert B zu bringen und dafür zu sorgen, dass du alles hast, was du brauchst, um dich wohl zu fühlen und eine gute Performance hinzulegen. Er oder sie erledigt einfach alles, was mit Reisen, Logistik und Auftritten zu tun hat, und fungiert als Kontaktperson für Book- ing Agents und Promoter*innen, damit deine Tour so reibungslos wie möglich über die Bühne geht. Außerdem kümmert er oder sie sich um die Abrechnung und allgemein alles Finanzielle und stellt damit sicher, dass das Budget für die Tournee nicht überzo- gen wird.

Bei kleineren Bands ist es oft so, dass der oder die Künstlermanager*in auch als Tour- management fungiert und oft sogar den Tourbus fährt. Mit ganz viel Glück stehen diese Leute auch noch für dich am Merch.

Merchandise

Der Verkauf von Merchandise kann eine Tournee, die gerade mal die Kosten deckt oder gar Verluste macht, doch noch profitabel machen. Wenn du CDs oder Platten mit deiner Musik (wenn du welche hast), Kleidung und Caps mit deinem Branding, Artwork, Sticker, Buttons und sonstigen Kleinkram verkaufst, kann einiges zusammenkommen.

Und wenn du glaubst, dass man berühmt sein muss, damit Leute Merchandise kaufen, liegst du falsch. Wenn es cool aussieht und ins Auge sticht, dann verkaufst du auch an Nicht-Fans. Es gibt sogar Leute, die gerne T-Shirts von unbekannten Bands tragen, um ein bisschen anzuge- ben und zu demonstrieren, dass sie die Band schon vor allen anderen entdeckt haben. Und je bekannter du wirst, umso mehr Geld wirst du mit deinem Merchandise verdienen.

Was solltest du anbieten?

Je größer die Stückzahl, die du bestellst, desto weniger wird jedes einzelne Stück ko- sten. Wenn du aber noch am Anfang deiner Karriere stehst, belaste dich nicht mit großen Lagerbeständen. Fang mit einer kleinen Menge an und probiere erstmal aus, wie groß die Nachfrage ist, bevor du eine größere Bestellung aufgibst.

Das Wichtigste ist, dass du deine Identität als Artist, deine Individualität und die visuelle Sprache deiner Marke vermittelst. Wenn du Letzteres noch nicht durchdacht hast, dann überlege dir ein Logo oder wenigstens eine bestimmte Schriftart. Grafikdesign liegt dir? Dann entwirf deine Designs selbst. Oder suche nach Grafiker*innen, die dir für ein kleines Budget die Gestaltung erstellen können. Wenn du selbst niemanden kennst, dann frag Freunde und andere Künstler*innen, ob sie dir jemanden empfe- hlen können.

T-Shirts und Stoffbeutel sind wohl immer Bestseller, aber dir sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, was du verkaufen möchtest. Sei kreativ. Biete bei Kleidung ver- schiedene Designvarianten und natürlich auch Größen an. Verkaufe Dinge, die in deinem Online-Store nicht erhältlich sind. Denke dir etwas Ausgefallenes aus. Es gibt Hunderte von Merchandising-Firmen, die alles Mögliche mit deinem Logo bedrucken können, von USB-Sticks bis zu Regenschirmen oder Süßigkeiten. Schau dir ein paar An- bieter an und überleg dir, ob ihre Artikel eine gute Ergänzung zu deinem Merchandise sind.

Triff dein Publikum

Anfangs solltest du deine Kosten auf jeden Fall niedrig halten, also fragst du am besten einen Freund oder eine Freundin, ob er oder sie den Merchandise-Stand überneh- men möchte. Nach deinem Auftritt solltest du dich auch hinter den Stand stellen, um dein Publikum zu treffen. In Zeiten von Social Media haben die Fans die Erwartung, auf alles sofort Zugriff zu haben und ohne Umwege Kontakt zu weniger bekannten Künstlern aufnehmen zu können. Außerdem hilft der persönliche Kontakt deinen Fans, eine engere Verbindung zu dir aufzubauen. Es gibt sogar viele renommierte Künstler, die sich nicht davor scheuen, an ihrem Merchandise-Stand zu stehen. Sie wissen ein- fach, wie wirkungsvoll ein persönliches Treffen sein kann, und – ein weiterer angene- hmer Nebeneffekt –, dass ihre Fans danach in ihren sozialen Netzwerken viel mehr über dich reden werden. Selfies mit den Fans und das Signieren ihrer CDs, Vinyls und Merch-Artikel gehört einfach zum Tagesgeschäft, wenn du deine Bekanntheit und Reichweite ausbauen möchtest.

Damit deine Fans auch wissen, dass es Merch zu kaufen und dich ggf. persönlich an- zutreffen gibt, mache dein Publikum am Ende deines Sets auf den Merchandise-Stand aufmerksam!

Eine Booking-Agentur anheuern

Damit man selbst mehr Zeit und Ressourcen für das Wesentliche hat – nämlich die eigene Musik und das Schreiben neuer Songs und Produzieren neuer Tracks – ist es natürlich ratsam, mit einer Booking-Agentur zusammenzuarbeiten, denn Booking und die Akquise neuer Auf- trittsmöglichkeiten ist unfassbar zeitintensiv.

Zu Beginn deiner Laufbahn werden dir die Agenturen jedoch leider nicht die Tür einrennen. Erstelle also ein PDF mit den wichtigsten Links zu dir als Künstler*in, Links zur Musik und zu deinen Videos, einem kurzen Bio-Text, Meilensteinen deiner Karriere bzw. ersten Erfolgen und bereits gespielte Konzerte. Dieses PDF schickst du in einer netten Mail an potentielle Booking-Agen- turen, die zu deiner musikalischen Ausrichtung passen und bereits in deinem Bundesland gut aktiv sind. Lade all diese potentiellen Booker*innen zu deinen nächsten Konzerten oder dei- nem nächsten Showcase ein und versuche sie on stage zu überzeugen.

Stell Recherchen an und such nach Agenturen, die kleinere Bands vertreten, die du magst. Stell dich per E-Mail bei ihnen vor und schick ihnen danach hin und wieder ein Update, vor allem dann, wenn du neue Songs oder andere Neuigkeiten hast. Je professioneller du auf sie wirkst und je besser du dich um Social Media, die Promotion deiner Musik und weitere Auf- trittsmöglichkeiten kümmerst, je schneller deine Streamingzahlen steigen oder je öfter deine Songs im Radio gespielt werden, desto größer die Chance, dass schon bald eine passende Booking-Agentur bei dir anklopft.

*

Wie immer gilt: Übung macht den Meister. Eine gute Planung, Durchhaltevermögen und eine professionelle Routine werden dir den Alltag in Sachen Auftrittsakquise, Booking und Touren erleichtern. All das entsteht nicht von alleine, sondern braucht Zeit. Bleib am Ball. Spiel so viele Gigs wie möglich und entwickle dich weiter. Wenn deine große Chance kommt, wirst du genügend Selbstvertrauen haben, um sie auch zu ergreifen. Wir hoffen, dass dir dieser Leitfaden einen guten Überblick über Wissenswertes rund um das Thema Live-Auftritte und Tourneen vermittelt hat, und dass wir dich bald auf der Bühne sehen!

Author: Gastbeitrag von Spinnup.com – Dein Online Digital Vertrieb (a divison of Universal Music Group)

Den kompletten Leitfaden kannst du hier kostenlos als PDF eBook downloaden.

Das könnte Dich auch interessieren:

HINTERLASSE EINEN POST

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Jahre Audiosteps - Wir verlosen 1x FabFilter Pro-Q 3 + 1x BOZ Digital Sasquatch Kick Machine 2JETZT MITMACHEN
+ +