Umsatz und Marktverteilung der deutschen Musikindustrie 2020

Die Lockdowns während der Corona Pandemie steigern die Online-Musiknutzung 2020 erheblich und verdeutlicht um so mehr die zwingende Notwendigkeit belastbarer Rahmenbedingungen im digitalen Raum.

Der BVMI (Bundesverband Musikindustrie) gab seinen jährlichen Report zur Marktverteilung und Umsätze der deutschen Musikindustrie im März  2021 für das Jahr 2020 bekannt. Trotz der pandemiebedingten Maßnahmen sind die Umsätze der deutschen Musikindustrie 2020 weiter gewachsen. Die Einnahmen aus Tonträgerverkäufen und Erlöse aus dem Streaminggeschäft beliefen sich auf 1,79 Milliarden Euro. Dies ist ein Umsatzplus von satten 9 Prozent gegenüber 2019. Dabei stammen 71,5 Prozent, also knapp Dreiviertel des Umsatzes aus Streaming von Audio- und Videoplattformen wie Spotify und YouTube. Damit legte das Streaminggeschäft zu 2019 um 24,6 Prozent zu. Die CD hatte nicht nur durch den Digitalwandel, sondern auch durch geschlossene Geschäfte weiter zu leiden. Die CD-Verkäufe nahmen gegenüber 2019 um 18 Prozent ab. Somit hat die CD 2020 noch einen Marktanteil von 21,6 Prozent. Es bleibt jedoch noch klar das zweitstärkste Format. Auf Platz 3 befindet sich die Vinyl-Schallplatte mit einem Anteil von 5,5 Prozent. Somit wurden 2020 24,7 Prozent mehr Schallplatten verkauft, als 2019.

Dr. Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des BVMI: „Es bestätigt sich, was sich schon im Sommer
>abgezeichnet hat: Die gute Digitalaufstellung unserer Mitgliedsfirmen über die vergangenen Jahre
führt dazu, dass unsere Branche am Gesamtumsatz gemessen aktuell gut durch die Krise kommt –
mehr noch, durch die pandemiebedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben sich die
Fans nolens volens zunehmend im digitalen Raum mit Musik versorgt, was uns ein Gesamtwachstum
von 9 Prozent beschert hat. Das ist ohne jeden Zweifel erstmal eine sehr gute Nachricht. Sie darf
jedoch über zwei Dinge keinesfalls hinwegtäuschen: Zum einen sind die Künstler:innen und unsere
Schwesterbranchen, allen voran das Live-Geschäft, bekanntlich in dramatischem Ausmaß von den
Lockdowns betroffen und die Spätfolgen der Konzertausfälle innerhalb unserer eng verzahnten
Branchenwelt noch nicht absehbar.“

Drücke weiter: „Zum anderen bedeutet der zunehmende Digitalanteil von derzeit 71,5 Prozent
zwingend auch eine deutlich zunehmende Dringlichkeit hinsichtlich belastbarer Rahmenbedingungen
im Netz. Ebenso wichtig ist für uns ein besseres Verständnis des digitalen Spielfelds, das die
>wirtschaftlichen Realitäten unserer Branche nicht ausblendet! Die deutsche Umsetzung der
Urheberrechtsrichtlinie darf nicht dazu führen, dass die filigrane Lizenzarchitektur für Musikfirmen und Künstler:innen beschädigt wird – denn der europäische Kompromiss will das Gegenteil: Kreative und ihre Partner sollen besser an den Umsätzen von User-Upload-Plattformen wie YouTube partizipieren. Video-Streaming gehört zu den beliebtesten Online-Nutzungswegen, trägt aber noch nicht einmal 4 Prozent zum Gesamtumsatz in Deutschland bei! Gerade in dem schnellen und wettbewerbsintensiven Umfeld darf der Gesetzgeber das nicht vergessen. Letztlich stellt sich bei der Ausgestaltung des Rechtsrahmens in Deutschland dieselbe Frage wie bei der Bekämpfung der Pandemiefolgen, nämlich: Welchen Wert hat die Kultur- und Kreativwirtschaft in unserem Land?”

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